Verlängerte Wochenenden sind doch etwas Herrliches – wer freut sich nicht auf die alljährliche Feiertagsaison im Mai/Juni. Gemütlich ins Feierabendbier am Freitagabend, Ausschlafen und Dinge erledigen, für die man sonst oft keine Zeit hat, am Samstag und darauf am Abend wieder einmal mit richtig gutem Gewissen auf die Gasse, denn man weiss, dass man gleich zwei weitere Tage hat, die Folgeschmerzen zu kurieren.
Die kurze Beschreibung vom Start in ein verlängertes Wochenende, trifft ziemlich genau auf das, was ich vergangenes Pfingstwochenende so gemacht habe. Nach einer langen Samstagnacht freute ich mich umso mehr auf einen gemütlichen DVD-Abend mit meiner Freundin. Dazu gingen wir kurz zur Tanke, um einen Film auszusuchen, der hoffentlich beiden passt. Tendiere ich eher zu Thrillern, Dramen und Science Fiction, erfreut sich meine Freundin mehr an (Liebes-)Komödien und Romanzen – kurz: jedesmal eine Herausforderung.
Dankbar sprang mir sofort „Keinohrhase“ ins Auge, von dem ich schon viel Gutes gehört habe. Eine Komödie, die laut mir laut Erinnerung durchaus auch gefallen könnte. Ich erinnere mich noch gut an einen Tweet: „Schaue gerade Keinohrhasen. Ich kann mich vor lauter Lachen nicht halten.“ Gesagt, gekauft und ab nach Hause. Nach einem gemütlichen Nachtessen, machten wir es uns auf der Couch gemütlich und starteten den Film.
Und wie der startete: Till Schweiger in seiner Musterrolle als Macho, die Unbekannte mit der Brille (die beinahe überfahren wurde), bei der man gleich wusste, dass sie später eine der Hauptrollen im Film wird und einige weitere bekannte deutsche Fernsehgesichter.
Der Film dreht sich ganz um Till Schweiger, der einen Boulevard-Journalisten spielt. Mit fiesen Tricks, Erpressung und Charme gelangt er an die besten Stories. Doch als er den Heiratsantrag von Vladimir Klitschko an seine Geliebte fotografieren soll, geht einiges schief. Der Promijäger kriegt eine Gefängnisstrafe auf Bewährung und muss diese durch 300 Sozialarbeitsstunden abarbeiten. Natürlich landet er bei der oben erwähnten Brillenschlange, die sich wider jeder Erwartung später ein eine wunderschöne Frau verwandelt. Diese Dame ist dann auch zufällig eine ehemalige Vorschulenklassenkollegin, die es um den Frauenschwarm alles andere als einfach hatte. Anschliessend folgen die üblichen Missverständnisse, Witze und Muster. Wie der Film schlussendlich endete, will und kann ich euch nicht sagen.
Nach einer Stunde „Keinohrhasen“ war ich wirklich dankbar, als meine Freundin den erlösenden Seufzer von sich gab. „Passt dir der Film nicht?“, fragte ich. Die deutliche Verneinung war eine Aufforderung zum Griff zur Fernbedienung, um nicht etwa „Stopp“ zu drücken. Nein, selbst „Eject“ war nicht gut genug. Hätte das DVD-Abspielgerät eine Shredder-Funktion, glaubt mir, ich hätte sie ohne zu zögern benutzt.
Information an die Leser: Wieso ich mich eine Stunde lang durch den Film quälte? Ich neige dazu, einen Film oft zu kommentieren und mit einer sehr gesunden (vielleicht zu gesunden) Kritik zu sehen. Da ich aber den gemütlichen DVD-Abend nicht zu einem „Adi-kommentiert-alles“-Abend machen wollte, unterliess ich so gut es ging jeden Kommentar (denn ich weiss, das kann wirklich nerven!). Ihr seht wohl auch, was dabei rauskam – ein ganzer Text!
Ich bin mir bewusst, ich habe einen etwas speziellen Filmgeschmack, bei dem es etwas mehr braucht als Sprüche unter der Gürtellinie, ein paar Brüste, wildes Geballere oder schnelle Autos (das alles wenn möglich noch in Kombination) verpackt in eine simple, strikt chronologisch ablaufende Story. Obwohl „Keinohrhasen“ eigentlich nur Letzteres erfüllt, kann ich kurz und bündig nur sagen:
Der Film ist durch und durch schlecht. Über voraussehbare Stories nerve ich mich schon beinahe nicht mehr, deshalb kann ich über diesen Punkt hinwegsehen. Doch, wenn man bei jedem Spruch, bei jeder Szene bereits im Vorhinein weiss, was folgt, verdirbt mir dies jeden Hauch guter Stimmung. Zudem habe ich selten (wenn nicht noch nie) eine so schlechte Wahl und ein unpassendes Timing der Filmmusik erlebt. Weder die Schauspieler, noch die Story, noch irgendwelcher Bonus für europäische Filme vermögen auch nur annähernd zu überzeugen. Das einzige was überzeugt, ist die Darstellung jeglicher Klischees.
Von wegen „ich kann mich vor lauter Lachen nicht halten“! 17.90 und eine Stunde habe ich selten so schlecht investiert!
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Von Berlin direkt nach Zamunda: Den Abend schlossen wir übrigens mit der nervigen Stimme von Eddie Murphy in “Der Prinz aus Zamunda” und einem genialen Haley Joel Osment in „The Sixth Sense“ ab.