Passend zur Weihnachtszeit widme ich meinen Post den materialistischen Bedürfnissen unserer Gesellschaft. Zugegeben neige ich auch dazu, mich dem Konsumrausch hinzugeben: Neue Klamotten, schickes Mobile (hab mir letzte Woche das Motorola Milestone gekauft *sabber*), Exzesse am Wochenende, etc.
Doch zurück zum Thema: Als ich vor einiger Zeit im Zug sass, erlebte ich eine herzzerreisende Mutter-Kind-Szene. Im Abteil gegenüber sassen zwei Mädchen im Alter von ca. 8-10 Jahren, wobei ich sagen muss, dass ich Kinder zwischen 4-12 Jahren beinahe unmöglich auf ihr Alter schätzen kann. Als eine Station später die Mutter des einen Mädchens einstieg, kam diese strahlend auf die beiden Mädchen zu. In der Hand hielt sie ein Geschenk.
Die beiden Mädchen freuten sich zwar riesig sie zu sehen, doch im Mittelpunkt stand deutlich – und auch verständlich – das Geschenk. Es stellte sich heraus, dass die Tocher Geburtstag hatte. Unüberhörbar bekam ich mit, dass es sich beim Geschenk wohl um eine Nintendo Wii handeln muss. Die Mädchen drängten, das Paket aufmachen zu dürfen und machten bereits Terminpläne für die nächsten Tage. Dem Gedränge konnte die Mutter nicht standhalten und sie willigte ein, dass ihre Tochter das Päckchen öffnen dürfe.
Ratzfatz und weg war die Verpackung. Kurze Stille, böse Blicke. “Das ist nicht die Wii! Was ist das?!?!”. Die Mutter hat sich bei der Geschenkwahl wohl vergriffen, oder etwa nicht? “Ich weiss, aber die ist doch auch toll.” Antwortete die Mutter. Dem konnte weder die Tocher, noch deren Freundin zustimmen. Die bösen Blicke und die neuen Terminpläne (Freundin 2 habe schliesslich eine Wii) konnte die Frau scheinbar nicht ertragen und sie versuchte sich zurechtfertigen. Sie wisse schon, dass dies nicht die Wii ist, aber der Verkäufer habe gesagt, dass die auch “total angesagt” sei und sowieso, sie wisse doch, dass “Papi” im Moment arbeitslos ist. Mit einem Schlag wurde mir klar, dass die Mutter nicht aus mangelndem Konsolenverständnis oder materiellen Prinzipien gehandelt hat, sondern aufgrund einer schwierigen finanziellen Situation.
Irgendwie war ich erleichtert, als die Drei den Zug kurz darauf verlassen haben. Die Mutter tat mir wirklich leid und die Anwesenheit der anderen Leute trug wohl auch nicht dazu bei, dass sie sich wohler fühlte. Ich stellte mir danach die Frage: Wie viel wert ist Weihnachten? Scheinbar kann diese Frage nur mit Materialien beantwortet werden. Natürlich waren dies Kinder. Aber beginnt es nicht da?
Einige Eltern versuchen den Kindern klar zu machen, dass es bei Weihnachten nicht um die Grösse eines Geschenks geht, sondern um den Inhalt. Selbstverständlich möchten dies die Meisten, doch sie kämpfen gegen iPhone-schenkende Eltern und die Werbegelder der grossen Firmen.
Ich freue mich, dass ich und meine Freundin, Familie und Bekannten uns sehr wenig bis gar keine Geschenke machen. Dieses Jahr kaufe ich etwa 3 kleine Geschenke, die hoffentlich zu der beschenkten Person passen. Wer mich kennt, weiss auch, dass ich kein Fan von Weihnachten bin. Trotzdem geniesse ich die Zeit und freue mich auf ein paar gemütliche freie Tage.
In diesem Sinne wünsche ich schöne Weihnachten und übertreibt’s nicht!
Zu Hause erinnerte ich mich noch an ein treffendes Foto und prompt habe ich es mit einigem Googlen noch gefunden:
