Die mit Spannung geladnenen Gemüter wurden heute Abend bei der Präsentation des Apple Tablets (iPad) regelrecht auf den Boden der Realität zurückgeholt, bzw. geschmettert. Das Produkt enttäuscht, füllt keine Lücke und noch schlimmer es schafft keine Lücke, die es zu füllen hat. Apple hat sich selbst ausgebremst.
Wie im vorherigen Post konnte der Launch des Tablets gestern kaum erwartet werden. Die perfekt aufgegleiste Lancierung des Produkts, wie man es mittlerweile kennt von Apple, trug einen wesentlichen Teil dazu bei. Zudem wurden die Erwartungen hochgeschaukelt. Man sprach von einer “Revloution”, dem “Ende der PC-Ära” und “Apples Antwort auf den Netbook-Boom”. Was präsentiert wurde, hat an keinen dieser Punkte auch nur annährend ran.
Was kann das Tablet?
Das Tablet basiert auf dem iPhone OS und kann so ziemlich das gleiche wie das iPhone. Neben Apps die darauf laufen, kann es Musik, Filme und Fotos abspielen. iWork läuft ebenfalls drauf und das Browsing-Erlebnis wird dank grösserem Screen sicherlich besser. Es hat den typischen Apple Anschluss, um es mit dem PC zu synchronisieren. Der iTab bekommt man ab 499 USD (16 GB Speicher + WLAN) und es geht hoch bis 829 USD, wo man 64 GB Speicher und neben WiFi auch 3G kriegt. Akkulaufzeit soll 10h sein, wobei man weiss, dass das jeweils sehr hoch gegriffen ist (bei allen Anbietern). Leider sind’s schlussendlich jeweils ca. 3h. Apple startet zusammen mit dem iPad ein eBook-Store.
Der Preisplan zum iPad:

Was kann das Tablet nicht?
Hier wird’s interessant und vor allem auch schockierend. Wobei der Tagi das ganz anders bewertet und gewohnt schön mit Apple tanzt und Honig schmiert (selten eine so schlechte journalistische Aufbereitung gesehen – weitab von jeglicher Kritik). Das Tablet erfüllt folgende Basis-Erwartungen nicht:
- Multitasking: Das heisst kein Musikhören, Browsen und Chatten gleichzeitig. Kein E-Book zu klassischer Musik.
- HDMI-Ausgang: Das Teil ist mobil. Ich möchte Fotos drauf, die ich zeigen kann. Wenn ich schon ne mobile Mediathek habe, dann möchte ich diese zeigen – und nicht am 9.7-Zoll Screen. Sondern auf dem LCD meiner Freunde.
- Flash: Auch wenn HTML5 kommt. Flash wird die nächsten Jahre das Internet prägen. Weisse Flecken im Browser sind daher unerwünscht.
- Offenes System: Es laufen nur Apple Apps und einige andere Anwendungen darauf, das war jedoch zu erwarten.
- Mediathek: Selbst mit der “Luxus-Version” kommen nur 64 GB Speicher. Das ist verdammt wenig für den eigentlichen Sinn des Geräts. Etwas Musik, ein paar hochauflösende Fotos, paar Hörbücher und zwei, drei Blockbuster. Das Ding ist praktisch voll. Soll ich da ne mobile HD mitnehmen? Knan ich die anschliessen?
Dann gibt’s noch ein paar Punkte, die mich jetzt nicht wirklich stören, aber auch noch angeschwärzt werden:
- Keine Cam: Was beduetet, dass kein Video-Chat möglich ist. Naja, damit kann ich gut leben.
- Dicker Rand und schwer: Auch da bin ich persönlich wenig verwöhnt. Kein Problem für mich.
- Adapter: Man brauche viele Adapter, um das Gerät anständig zu verknüpfen. Kann ich nicht bestätigen, aber wenn es mehr braucht, als die bisherigen Apple Produkte wird’s wohl schon störend sein.
Braucht es das Gerät?
Auch hier sagt der Tagi, dass das Gerät revolutionär sei und wir dessen Sinn bloss noch nicht wirklich verstehen. Ausserdem sei es ein Gerät, mit dem man gesehen werden muss. Schliesslich zeigt es Status und Kaufkraft. Das im Artikel mit “Eierlegende Wollmilchsau” Gerät ist jedoch alles andere als ein solches:
- Für Office-Anwendungen möchte ich keine Touch-Screen-Tastatur. Um kurz ein Mail zu schreiben reicht’s. Ein Tablet ohne Stift hat bestimmt Mühe mit Handschrifterkennung. Grafische Arbeiten mit den Fingern? Naja …
- Zum Videos abspielen taugt’s nicht: Mit 64 GB Speicher? Klar! “Wer speichert schon, heute streamt man!”, wird als Argument kommen. “Über 3G?” sollte ein als Antwort reichen.
- Musik abspielen ist zwar toll, aber dazu hab ich meinen iPod. Denn mit dem iPad kann ich keine Musik hören und mich dazu einem eBook, Spiel oder Mail widmen. Multitasking ist das Killer-Kriterium.
- eBooks lesen? Da bevorzuge ich die Papiervariante. Jedoch sehe ich hier die einzig sinnvolle Verwendung des Geräts.
- Apps installieren? Weehaaaa. Super toll, dazu brauch ich kein weiteres Gerät. Mein Android Phone reicht mir da völlig aus.
- Was gibt’s noch? Surfen? Ja, zum Surfen taugt es.
Jetzt mal ehrlich. Wer von euch sieht sich mit dem iPad im Zug sitzen und ist gänzlich von dem Ding überzeugt? Möchte ich neben meinem Mobiltelefonabonnement noch ein weiteres Gerät monatlich bezahlen?
Entweder seh ich es nicht, oder aber Apple hat mit sich mit dem iPad wirklich selbst in’s Bein geschossen. Jedes Netbook ist viel funktionaler und sinnvoller als der iPad – und zudem noch günstiger. Die präsentierten Tablets der Konkurrenz sind dem Gerät um Längen voraus, passen aber (zu Apples Verteidung) nicht so gut ins Gesammtkonzept. Doch ich bin mir sicher, daran arbeitet auch ein Microsoft. Die Konkurrenz freut’s: Apple ist nach dem gigantischen iPhone-Launch zurück auf dem Boden!
Ich bin gespannt, wie die Apple-Jünger auf das Gerät reagieren. Bisher hab ich noch nicht wirklich viel von dieser Seite gehört, aber das Schweigen sagt mehr als 1000 Worte. Ich denke, auch da wurden viele enttäuscht (mit entsprechendem Gesichtsausdruck). Der Apfelblog gibt sich aber wenig kritisch. Da spricht man lieber davon, dass man das Gerät per Kabel mit dem iPhone verbindet, um ins Internet zu gelangen, falls mal keine WiFi-Spot in der Nähe ist.
Kritischer ist da Gizmodo. Da gibt’s auch schon spannende Diskussionen :). Der Titel verspricht dies auch: “8 things that suck about the iPad”
So, Kritik abgeschlossen. Ich schau mal im FailBlog rein. Evt. ist’s da schon drauf.